Ideen für die Klassenraumgestaltung zur Identifikation der Schüler

Wenn es gelingt, in Schulkindern einen Sinn der Eigenverantwortung für „ihr“ Klassenzimmer zu wecken, fördert dies nicht nur das Selbstwert- und Verantwortungsgefühl sondern auch nachweislich die schulischen Leistungen.

Das Verantwortungsgefühl sowie die schulischen Leistungen können nachweislich verbessert werden.

Der letzte Bauboom in der europaweiten Schullandschaft geht auf die 1970er-Jahre zurück. Mittlerweile sind die meisten dieser Schulen deutlich sanierungsbedürftig. Seit dem Bau dieser Schulen gab es zahlreiche Studien darüber, wie sich das physische Umfeld der Schulen – und insbesondere die Gestaltung der Klassenzimmer – auf die Lernergebnisse der Schüler auswirkt.

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Zu diesen Studien gehört auch das HEAD-Projekt (2015)1. Dieses umfasste detaillierte Erhebungen mit 153 Klassenzimmern 27 recht unterschiedlicher Schulen im gesamten Vereinigten Königreich. Man fand heraus, dass allein die räumliche Gestaltung des Klassenzimmers den Lernfortschritt von Kindern um bis zu 16 % beeinflussen kann. Die Studie empfiehlt daher zentrale Verbesserungen der Konzeption, unter anderem natürliches Tageslicht, bessere Lüftung und eine Optimierung der Akustik.

Darüber hinaus befasste sich das HEAD-Projekt mit der Wirkung der SIN-Gestaltungsprinzipien (Stimulation, Individualisierung, Natürlichkeit) auf den kindlichen Lernprozess.

Dabei wurde festgestellt, dass ein Viertel der oben genannten Unterschiede im Lernfortschritt auf die Individualisierung der Klassenzimmer (bzw. deren Mangel) zurückzuführen ist. Mit anderen Worten: Die schulischen Leistungen der Kinder verbesserten sich deutlich in Klassenzimmern, mit denen sie sich identifizieren konnten und die flexibel genug waren, um verschiedene Lernmethoden zuzulassen.

Förderung der Eigenverantwortung im Klassenzimmer

Die physiologische und psychologische Forschung zeigt, dass die Personalisierung eines Raumes ein wichtiger Faktor für die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstwertgefühl eines Menschen ist. Damit nicht genug: Mehrere Studien haben ergeben, dass vertraute und persönlich gehaltene Räume besser dafür geeignet sind, Informationen aufzunehmen, zu speichern und abzurufen.

Zudem stellte sich heraus, dass Klassenzimmer, in denen die Kinder ihre eigenen Projekte und künstlerischen Arbeiten ausstellen können, die Beteiligung am Unterricht und auch die Lernfreude fördern.

Im Bericht „Clever Classrooms“, dem zusammenfassenden Bericht für das HEAD-Projekt, werden einige wichtige Faktoren hervorgehoben, die Kindern helfen, sich mit „ihrem“ Klassenzimmer zu identifizieren. Der Bericht liefert unter anderem folgende Informationen:

  • Um schnell ein Gefühl von Vertrautheit zu schaffen, sollte das Klassenzimmer einen eigenen Charakter haben oder mit besonderen Merkmalen ausgestattet werden.
  • Es sollte Möglichkeiten bieten, die Arbeiten der Kinder an der Wand oder auf speziellen Schautischen auszustellen.
  • Es sollte personalisierte Elemente enthalten, z. B. mit Namen gekennzeichnete Garderobenhaken, Schrankfächer oder Schubladen für jedes Kind.
  • Tische und Stühle sollten je nach Alter und Größe der Kinder bequem, interessant und ergonomisch sein.

Raum für Flexibilität

Alle Klassenzimmer erfordern ein gewisses Maß an Flexibilität, um verschiedenen Lernmethoden gerecht zu werden.

Unter anderem werden folgende Empfehlungen ausgesprochen:

  • Klar definierte Rückzugsmöglichkeiten oder Nischen.
  • Abwechslungsreiche Grundrisse zur Schaffung verschiedener Aktionsbereiche für jüngere Schulkinder. Für ältere Schüler sind quadratischer und größere Räume effektiver.
  • Angemessene und gut zugängliche Aufbewahrungsmöglichkeiten.
  • Große, begehbare Wandflächen für den flexiblen Aushang von Informationen und die Präsentation von Schülerarbeiten.
  • Verschiedene Lernzonen für spielerisches Lernen bei jüngeren Kindern mit klaren Verbindungswegen zwischen den Zonen.
  • Flexible Anordnung von Tischen und Mobiliar.

Kinder verbringen abgesehen von zu Hause mehr Zeit in der Schule als irgendwo anders. Im Schnitt verbringen sie jedes Jahr etwa 200 Tage in der Schule und halten sich zu 70 % dieser Zeit im Klassenzimmer auf. Die Vermittlung eines Zugehörigkeitsgefühls zu „ihrem“ Klassenzimmer und die Schaffung flexibler Lernumgebungen sollten heute und in Zukunft unabdingbare Bestandteile der Schulplanung sein.

Quellen

  1. Clever Classrooms (2015), Summary report of the HEAD project, University of Salford, Manchester